Hallöchen,
Ich möchte zu diesen Gutmensch-Regeln doch nun ein wenig die Anwältin des Teufels hervorholen. Genau solche Regeln füttern die Moral unseres Egos, so dass dieses sich toll vorkommt.
1. Ermutige den anderen, wann immer Du kannst. Lobe seine Erfolge - und wenn sie auch noch so klein sind. Lob ist wie Sonnenschein. Ohne ihn können wir nicht wachsen. Du kannst niemals zuviel loben.
Doch, man kann zuviel loben. Zuviel Lob verblendet uns, weil es das Ego füttert. Die Person läuft Gefahr wird sich 'cool' vorkommen und 'toll' und besser als die anderen, denn Bescheidenheit ist nicht des Ego's Stärke.
Man kann loben, aber wichtiger ist Unterstützung.
2. Gib dem anderen immer die Möglichkeit, sein Gesicht zu wahren. Stelle niemanden bloß, erniedrige niemanden. Bagatellisiere die Fehler.
Es ist nicht an anderen, einer Person die Möglichkeit zu geben, seine Maske weiter zu tragen. Es sollte von Fall zu Fall betrachtet werden. Man muss einen Fehler nicht ansprechen, aber man soll ihn nicht bagatelliesieren, denn Lügen ist das schlimmste, das man der Seele antun kann.
3. Sprich in Abwesenheit eines anderen Menschen nur positiv über ihn. Wenn Du nichts Positives an ihm findest, so schweige.
Ich würde nie einen Menschen in ein offenes Messer laufen lassen. Erkläre immer, dass es nur deine Sicht ist und nicht unbedingt die Wahrheit über eine Person. Jeder soll sich sein eigenes Bild machen, ohne Vor-urteile (positiv wie negativ)
4. Beobachte den anderen aufmerksam. So fällt Dir auf, wenn er etwas Gutes macht. Wenn Du dann lobst, so begründe das Lob präzise, damit es sich nicht wie Schmeichelei anhört.
Danke ihm, aber lobe nicht. Lob kann IMMER von dem anderen als Bauchpinselei aufgefasst werden, das liegt nicht in deiner Hand!
5. Appelliere immer an die edle Gesinnung und die edlen Motive des anderen. Jeder will sich gerne für großmütig und selbstlos halten. Wenn Du möchtest, daß sich jemand verbessert, dann handele so, als wenn er diese Eigenschaften bereits besäße. Er wird sich dann jede erdenkliche Mühe geben, Dich nicht zu enttäuschen.
Ein Mensch soll 'edel' handeln, weil er edel handeln möchte und nicht um deinen Erwartungen zu gefallen. Wer aus jenem Motiv diese Regel anwendet, sollte sich selbst erst einmal hinterfragen, inwiefern er selbst edel denkt und handelt!
6. Kritisiere möglichst selten und am besten nur indirekt. Greife nie die Person, sondern nur die Tat an. Zeige dem anderen, daß Du ihn aufrichtig magst und ihm helfen willst. Kritisiere niemals schriftlich.
Sei einfach ehrlich und hör auf, herumzueiern ;-)
7. Gib dem anderen die Möglichkeit, sich groß zu fühlen. Protze nicht, sondern gib eigene Schwächen zu. Mache dich klein. Wenn Du dir Feinde schaffen willst, so übertrumpfe andere, wenn Du dir Freunde schaffen ollen, so lasse dich übertrumpfen.
Weder Freundschaft noch Respekt haben etwas mit "über" und "unter" zu tun. Dieser Irrglaube lässt keine Freundschaft zu. Respektiere den anderen, denn wenn du ihn dazu bringst, sich gross zu fühlen, wird dein Ego unweigerlich alles dransetzen, in das andere Extrem zu verfallen. Wir können das Pendelgesetz nicht übertrumpfen, wir können nur darauf achten.
8. Wenn Du Fehler gemacht hast, entschuldige dich. Wenn Du eine Rüge zu erwarten hast, komm dem anderen zuvor und gib dir diese am besten schnell selbst.
Man kann sich nicht selbst entschuldigen, man BITTET um Entschuldigung. Die Rüge allerdings betrifft den anderen, denn das sind seine Gefühle. Wirst du gerügt, liegt es an dir, dich zu hinterfragen, warum es dich trifft.
9. Mache Vorschläge, statt Befehle zu geben. So förderst Du die Zusammenarbeit, ohne Widerstand zu provozieren.
Vorschläge sind auch Schläge. Wer immer diese Regeln aufgesetzt hat, hatte wohl wenig Ahnung von Psychologie.
Höre zu und suche gemeinsam nach Lösungen, nur so kann sich kein Widerstand einsetzen, weil JEDER mitarbeitet.
10.Reagiere mit Verständnis auf die Verärgerung von anderen. Die Verärgerung des anderen ist oft nur ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit. Gib anderen Menschen Mitgefühl und Aufmerksamkeit - sie bedürfen ihr.
Man sollte das Ego nicht verhätscheln. Das Ego sucht nach Aufmerksamkeit, und dieses sollte man nicht unterstützen. Unterstütze die Seele und sei dir bewusst, dass Verärgerung nur darauf hindeutet, dass du hinter die Maske des Menschen geschaut hast.
11.Sprich ausgeglichen selbst so wie möglich. Gib dem anderen eine Chance zu erzählen, und sei dabei auch ein guter Zuhörer.
Na, ein blindes Huhn findet auch mal einen Korn.
12.Lasse den anderen glauben, die Idee stamme von ihm. Einer guten Idee ist es egal, wer sie hat. Und jeder möchte lieber glauben, nach seinen eigenen Ideen gehandelt zu haben. Meere sind die Könige aller Bäche, weil sie sich so gut unten halten können.
Sei dir einfach bewusst, dass eine Idee gut ist, solange sie funktioniert. Wenn andere sich allerdings mit fremden Federn schmücken, so deute darauf hin, dass das Ego keine Bescheidenheit kennt und gerne protzt. Lasse die Ideen dem, der sie hatte, es ist sein Recht, dafür respektiert zu werden.
13.Unterbrich den anderen nicht. Auch nicht, wenn Du denkst, er sei im Unrecht. Er wird Dir nämlich nicht zuhören, solange er noch etwas auf dem Herzen hat.
Lach, er wird dir auch späterhin nicht zuhören, wenn er glaubt, im Recht zu sein.
Man soll eben einfach einen Menschen nicht unterbrechen, aber dafür benötigt man keine Regel, sondern einfach gute Manieren.
14.Versuche die Dinge vom Standpunkt der anderen aus zu sehen. Die Indianer sagen: "Gehe immer zuerst eine Meile in den Mokassins des anderen."« Frage sich immer: Was ist der Grund für sein Handeln? Alles verstehen heißt, alles verzeihen.
Das würde bedeuten, dass man erst verzeihen kann, wenn man versteht, auch wenn die Sicht des anderen (die immer noch zu respektieren ist) keine Logik zeigt.
Oder könnt ihr einen Vergewaltiger 'verstehen' um ihm dann verzeihen zu können?
Verzeihen bedeutet, sich seine Energie wiederzuholen.
Der Anfang der Regel und das Ende davon haben nichts miteinander zu tun!
15.Bemühe dich niemals, recht zu haben. Sei klüger, aber sage es dem anderen nicht. Gib zu, daß Du dich vielleicht irrst - das macht jeden Streit unmöglich.
Man kann sich nicht bemühren, recht zu haben. Entweder man hat recht oder nicht! Man muss den anderen mit seiner Meinung ja nicht totschlagen, aber warum in aller Welt muss man andauernd sein eigenes Licht unter den Scheffel stellen???
16.Schenke häufig etwas - auch ohne jeden Anlaß. Finde kreative Wege, eine Freude zu machen. Der Einfallsreichtum der Geschenke zeigt, wie viele
Gedanken Du dir um den anderen gemacht hast.
Warum muss man zeigen, ob und wieviele Gedanken man sich macht? DAS ist der Weg des Egos: Man möchte zeigen, wie GUT man ist.
Mache Geschenke dann, wenn du es für 'richtig' empfindest, nicht um dich einzuschleimen.
17.Bei Widerspruch: Beherrsche dich. Höre zuerst aufrichtig zu. Suche nach Übereinstimmungen. Sei kritisch zu dir selbst. Verspreche, darüber nachzudenken, und danke für die Anregung.
Ah, mal abgesehen, dass es nicht ums 'Beherrschen' geht sondern um Respekt, ist hier mal einen Ansatz von gesundem Menschenverstand zu kennen. Es sind effektiv die Übereinstimmungen, um die es geht. Warum man aber - mal wieder - nur mit sich selbst kritisch sein soll, ist und bleibt mir ein Rätsel!
18.Interessiere dich aufrichtig für den anderen. Mache es dir zum Motto, dich für andere zu interessieren, anstatt interessant zu sein. Zeige, daß Du dir
Gedanken machst, wie Du ihm helfen kannst.
Nein, füttere auf keinen Fall dein Helfersyndrom! Hilfe ist immer nur Hilfe zur Selbsthilfe. Natürlich solltest du dich dabei für den Menschen interessieren, aber wenn du es zeigst, geht es um dich, bzw um dein Ego und du hast den falschen Beweggrund gewählt.
19.Lächele. Niemand braucht ein Lächeln so nötig wie derjenige, der für andere keines mehr übrig hat.
Lächeln ist die eleganteste Weise, dem Gegner die Zähne zu zeigen.
Lache, es befreit und steckt an und nimmt jedem Ärger den Wind aus den Segeln.
20.Sprich den anderen immer mit seinem vollen Namen an. Das zeugt von Respekt. Jeder hört seinen Namen gerne - viel lieber als einen amensersatz. Dazu müsste man sich die Namen natürlich merken.
Ich hätte da auch eine Regel: Verallgemeinere nie. Eben NICHT JEDER hört seinen Namen gerne. Wie wäre es mal mit fragen, wie man angesprochen werden möchte, denn DAS zeugt von Respekt.
21.Lerne die Dinge vom Standpunkt des anderen aus zu sehen. Frage dich: Was braucht er wirklich? Wie kann ich ihm einen Vorteil verschaffen?[/b
Respektiere die Sicht des anderen, aber verschwende keinen Gedanken daran, seinem Ego einen Vorteil zu verschaffen.
[b]22.Sorge dafür, daß Du in jedem Gespräch - auch am Telefon - erreichst, daß der andere ein besseres Gefühl hat: erstens zu sich selbst, zweitens zu Dir.
Gefühlsdefinitionen entstammen dem Ego, du bist nicht dazu da, das Ego anderer Menschen zu verwöhnen. Sorge in einem Gespräch immer für Klarheit. Aber wenn der andere sich dafür entscheidet, sich schlecht zu fühlen, verärgert oder traurig, kannst du ihm nur deine Unterstützung (Hilfe zur Selbsthilfe, nicht vergessen) anbieten. Wenn du aber merkst, dass er sich scheinbar nur besser fühlen würde, wenn du einen Kniefall vor ihm machst, lass von dem Gespräch ab.
23.Vergib schnell. Sei niemals nachtragend. Segne sie.
Vergib nie aus dem falschen Beweggrund und segne jeden! Denn die Liebe zu den Mitmenschen schliesst die eigene Person nicht aus (Mo Ti)
24.Sende dem anderen still deine besten Wünsche, wenn Du an ihn denkst. Hülle ihn in Licht und Liebe
Da jeder Licht und Liebe anders definiert, kann das sehr gefährlich sein. Sei respektvoll aber mach keinen auf "ich hab dich ja soooooo knuddel lieb". Denn der Schuss geht nach hinten los, weil unser Ego in jede Art von Liebe immer seine eigenen Bedingungen einstrickt.
Ehrlich gesagt schockt es mich jedesmal, dass es Menschen gibt, die ohne darüber nachzudenken, solche Regeln einfach schlucken und dann glauben, ein besserer Mensch zu sein.
Zweifelnde Grüsse
Shade