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#1

Mond-Geschichten

in Der Mond 23.10.2007 21:40
von fogerty79

DER MANN IM MOND
(Schweizer Geschichte)

Einst begab sich eine arme Frau in den Bergen auf den Heimweg. Sie hatte Beeren und Kräuter gesammelt. Da kam sie unterwegs zu einem Senner, der gerade dabei war, seine Kühe zu melken.

"Ach, wenn ich doch nur ein ganz klein wenig von der Milch bekommen könnte", dachte sie. "Aber womit soll ich sie bezahlen?"

Da blieb sie zögernd stehen, grüßte freundlich, nachm ihren ganzen Mut zusammen und fragte: "Habt ihr ein wenig von eurer Milch übrig für eine arme Frau?"

"Was?", fuhr der Senner auf. "Ich bin nicht von der Wohlfahrt! Geh und kauf dir welche. Da könnte ja jeder kommen!"

Mit diesen Worten wandte er sich wieder seinem Melkeimer zu. Tief betroffen warf die Frau noch einen Blick auf den Hartherzigen, schüttelte den Kopf und sprach laut:

"Da euer Herz so kalt ist, wünschte ich, ihr würdet an dem kältesten Ort sitzen."

Im nächsten Augenblick entschwand der Mann ihren Blicken. Seitdem kann man den Senner bei Vollmond sehen:

Er sitzt auf dem Mond mit seinem Milcheimer vor den Knien.


CARPE DIEM

*fogerty79*
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#2

RE: Mond-Geschichten

in Der Mond 23.10.2007 21:41
von fogerty79

DER MANN IM MOND
(Norddeutsche Geschichte)

Einem Schiffer wollte es einfach nicht gelingen,
Kap Hoorn zu umschiffen. Er verfluchte sich selbst
mit den Worten:
"Verdammt! Wenn ich nicht um Kap Hoorn komme,
dann will ich für alle Zeiten auf dem Mond sitzen."
Sein Schiff ging unter, und der Mann im Mond kam in den Mond.
Noch heute sagen die Seeleute bei Vollmond:
Dort oben sitzt der Schiffer im Mond, der nicht
um Kap Hoorn kam.


CARPE DIEM

*fogerty79*
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#3

RE: Mond-Geschichten

in Der Mond 23.10.2007 21:43
von fogerty79

DER MANN IM MOND
(Sylter Geschichte)

Der Mann im Mond ist ein Riese.
Während der Zeit der Ebbe steht er
in gebückter Haltung, schöpft Wasser
und gießt es auf die Erde.
Wenn die Flut aufläuft,
steht er wieder aufrecht
und ruht sich von seiner Arbeit aus.
In dieser Zeit kann sich das Wasser
wieder verlaufen.


CARPE DIEM

*fogerty79*
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#4

RE: Mond-Geschichten

in Der Mond 23.10.2007 21:45
von Sunny (gelöscht)
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Ich hab auch eine:

Die 3 Spiegel der Zauberin

Ein König hatte nur eine einzige Tochter. Diese aber war ebenso schön wie klug. Nach dem Tode ihres Vaters bestieg sie den Thron. Bald hatte ein Prinz aus einem benachbarten Königreich um ihre Hand angehalten. Sie aber sprach: "Ich werde nur den zum Gemahl nehmen, der drei Dinge zum Geschenk bringen wird: einen glänzenden Stern, einen silbernen Mond und eine glühende Sonne."

Der Königssohn dachte lange über ihre Worte nach, während er zu seinem Vater nach Hause ritt. Dort angekommen, erzählte er ihm, was die junge Prinzessin sich gewünscht und sprach: "Ich werde nun in die weite Welt hinausziehen und nach dem glänzenden Stern, dem silbernen Mond und der glühenden Sonne suchen." Der Vater versuchte vergeblich, ihn zurückzuhalten. Und so zog der Königssohn fort.

Er reiste durch viele Länder und Königreiche, durch Städte und Dörfer und fragte überall nach den drei Dingen. Die reichen Menschen aber besaßen keine Weisheit, und die Armen hatten keine Einsicht. Da wandte er sich um Rat an die Vagabunden, Zauberinnen und Zauberer, die, verachtet von reich und arm, durch die Welt zogen, denn er hatte erkannt, daß sie die wahre Lebensweisheit besaßen. Aber auch sie konnten ihm nicht weiterhelfen.

Eines Abends wanderte er an einer armseligen Hütte ganz am Ende eines Dorfes vorbei. Plötzlich vernahm er von dort Seufzen und Stöhnen. Als er eben in die Hütte hineingehen wollte, hielt ihn ein Mann am ärmel fest und sprach: "Geh da nicht hinein, Freund, da drinnen stirbt eine Zauberin, eine Hexe!" Der Prinz aber achtete nicht auf die Worte und ging in die Hütte hinein. Da lag in der Tat eine Zauberin auf einem Haufen getrockneter Blätter im Sterben. Sie wandte mühsam den Kopf nach ihm und sprach mit schwacher Stimme: "Schon so lange warte ich auf dich. Du kommst sehr spät. Du sollst die Dinge bekommen, die du suchst. Unter einer Bedingung will ich dir dazu verhelfen. Höre, wenn mein Leben zu Ende sein wird, dann nimm meine Hand in deine und mache das Zeichen des Kreuzes über mir. Dann aber wirf den Inhalt dieser Flasche nach dem Fußende des Bettes, denn dort harrt der Teufel auf meine Seele."

Der Königssohn willigte ein und nahm die Flasche an sich. Er erkannte, daß sie mit Weihwasser gefüllt war. Die Hexe richtete sich ächzend auf und holte unter den Blättern, auf denen sie ruhte, drei silberne Spiegel hervor. Dann sprach sie: "öffne das Fenster! Ich muß der Sonne, dem Mond und den Sternen in ihrem Lauf folgen können ... Und nun komm und gib mir deine Hand!" Die Zauberin begann nun mit der anderen Hand allerlei seltsame und wunderbare Zeichen auf den ersten Spiegel zu schreiben und murmelte dabei merkwürdige Worte.

Nach einigen Augenblicken zeigte sich ein heller Punkt auf dem Spiegel, der immer größer und stärker wurde, bis schließlich ein Stern darin glänzte, daß es nur so eine Pracht war. "Das ist das eine", sprach die Zauberin. Sie nahm daraufhin den zweiten Spiegel und begann wiederum dieselben Zeichen zu schreiben und dieselben Worte zu murmeln. Jedoch dauerte alles diesmal viel länger als beim ersten Male. Endlich aber breitete sich auf dem zweiten Spiegel ein silberner Glanz aus. In dem Spiegel lag der Widerschein des silbernen Mondes. "Das ist das zweite", sprach die Zauberin. Der Jüngling sah, daß sie mit dem Tode rang. Schweiß rann in dicken Tropfen von ihrer Stirn, und ihr Atem war keuchend.

"Warum bist du nur so spät gekommen", jammerte sie, "nun weiß ich nicht, ob ich den letzten Zauber noch vollbringen kann." Sie nahm den dritten Spiegel, schrieb mit letzter Kraft die Zeichen und murmelte die Worte. Alles dauerte diesmal noch viel länger als die beiden ersten Male. Mit klopfendem Herzen sah der Königssohn zu. Der Angstschweiß brach ihm aus, und sein Gesicht war so bleich wie das der sterbenden Hexe. Endlich, endlich aber war der Zauber vollendet, und in dem dritten Spiegel lag die glühende Sonne. Die Zauberin reichte ihm den Spiegel und sprach: "Mein Herz bricht. Denk an dein Versprechen."

Als die Zauberin verschied, machte der Jüngling das Zeichen des Kreuzes über ihr und warf das Weihwasser nach der Stelle, wo der Teufel hocken mußte. Da flog ein schwarzes Ungeheuer neben ihm mit einem schrecklichen Fluch aus dem Fenster. Es war der Teufel, der vergeblich gewartet. Das Zimmer aber war voll Gestank nach Pech und Schwefel.

Der königssohn zog von dannen mit seinen drei Spiegeln, darin der glänzende Stern, der silberne Mond und die glühende Sonne eingefangen waren. Als er sie der jungen Prinzessin überbrachte, verwunderte diese sich sehr, und die Hochzeit ward in großer Pracht gefeiert.


*Für jedes Problem gibt es eine Lösung*
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#5

RE: Mond-Geschichten

in Der Mond 23.10.2007 21:46
von Sunny (gelöscht)
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und Der Mond

Vorzeiten gab es ein Land, wo die Nacht immer dunkel und der Himmel wie ein schwarzes Tuch darüber gebreitet war, denn es ging dort niemals der Mond auf, und kein Stern blinkte in der Finsternis. Bei Erschaffung der Welt hatte das nächtliche Licht ausgereicht. Aus diesem Land gingen einmal vier Bursche auf die Wanderschaft und gelangten in ein anderes Reich, wo abends, wenn die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, auf einem Eichbaum eine leuchtende Kugel stand, die weit und breit ein sanftes Licht ausgoß. Man konnte dabei alles wohl sehen und unterscheiden, wenn es auch nicht so glänzend wie die Sonne war. Die Wanderer standen still und fragten einen Bauer, der da mit seinem Wagen vorbeifuhr, was das für ein Licht sei. "Das ist der Mond," antwortete dieser, "unser Schultheiß hat ihn für drei Taler gekauft und an den Eichbaum befestigt. Er muß täglich Öl aufgießen und ihn rein erhalten, damit er immer hell brennt. Dafür erhält er von uns wöchentlich einen Taler."

Als der Bauer weggefahren war, sagte der eine von ihnen "diese Lampe könnten wir brauchen, wir haben daheim einen Eichbaum, der ebenso groß ist, daran können wir sie hängen. Was für eine Freude, wenn wir nachts nicht in der Finsternis herumtappen!" "Wißt ihr was?" sprach der zweite, "wir wollen Wagen und Pferde holen und den Mond wegführen. Sie können sich hier einen andern kaufen." "Ich kann gut klettern," sprach der dritte, "ich will ihn schon herunterholen!" Der vierte brachte einen Wagen mit Pferden herbei, und der dritte stieg den Baum hinauf, bohrte ein Loch in den Mond, zog ein Seil hindurch und ließ ihn herab. Als die glänzende Kugel auf dem Wagen lag, deckten sie ein Tuch darüber, damit niemand den Raub bemerken sollte. Sie brachten ihn glücklich in ihr Land und stellten ihn auf eine hohe Eiche. Alte und Junge freuten sich, als die neue Lampe ihr Licht über alle Felder leuchten ließ und Stuben und Kammern damit erfüllte. Die Zwerge kamen aus den Felsenhöhlen hervor, und die kleinen Wichtelmänner tanzten in ihren roten Röckchen auf den Wiesen den Ringeltanz.

Die vier versorgten den Mond mit Öl, putzten den Docht und erhielten wöchentlich ihren Taler. Aber sie wurden alte Greise, und als der eine erkrankte und seinen Tod voraussah, verordnete er, daß der vierte Teil des Mondes als sein Eigentum ihm mit in das Grab sollte gegeben werden. Als er gestorben war, stieg der Schultheiß auf den Baum und schnitt mit der Heckenschere ein Viertel ab, das in den Sarg gelegt ward. Das Licht des Mondes nahm ab, aber noch nicht merklich. Als der zweite starb, ward ihm das zweite Viertel mitgegeben, und das Licht minderte sich. Noch schwächer ward es nach dem Tod des dritten, der gleichfalls seinen Teil mitnahm, und als der vierte ins Grab kam, trat die alte Finsternis wieder ein. Wenn die Leute abends ohne Laterne ausgingen, stießen sie mit den Köpfen zusammen.

Als aber die Teile des Monds in der Unterwelt sich wieder vereinigten, so wurden dort, wo immer Dunkelheit geherrscht hatte, die Toten unruhig und erwachten aus ihrem Schlaf. Sie erstaunten, als sie wieder sehen konnten: das Mondlicht war ihnen genug, denn ihre Augen waren so schwach geworden, daß sie den Glanz der Sonne nicht ertragen hätten. Sie erhoben sich, wurden lustig und nahmen ihre alte Lebensweise wieder an. Ein Teil ging zum Spiel und Tanz, andere liefen in die Wirtshäuser, wo sie Wein forderten, sich betranken, tobten und zankten, und endlich ihre Knüppel aufhoben und sich prügelten. Der Lärm ward immer ärger und drang endlich bis in den Himmel hinauf.

Der heilige Petrus, der das Himmelstor bewacht, glaubte, die Unterwelt wäre in Aufruhr geraten, und rief die himmlischen Heerscharen zusammen, die den bösen Feind, wenn er mit seinen Gesellen den Aufenthalt der Seligen stürmen wollte, zurückjagen sollten. Da sie aber nicht kamen, so setzte er sich auf sein Pferd und ritt durch das Himmelstor hinab in die Unterwelt. Da brachte er die Toten zur Ruhe, hieß sie sich wieder in ihre Gräber legen und nahm den Mond mit fort, den er oben am Himmel aufhing.


*Für jedes Problem gibt es eine Lösung*
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