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#1

Mondgott

in Der Mond 12.02.2010 15:11
von skinir (gelöscht)
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Ich habe unter "Scharzmond" schon mal grundlegend zu meiner Sicht etwas reingestellt und möchte das hier noch einmal einstellen und dazu (im zweiten Beitrag) zu meiner Ritualpraxis etwas schreiben
In der heutigen Spiritualität ist der Mond eine Mondin und die Sonne ein Sonnerich – ist diese Form der geschlechtlichen und auch geistigen Zuordnung die einzig Mögliche?

In der deutschen Sprache gibt es eine interessante Polarität: Der Tag und die Sonne, sowie die Nacht und der Mond. Sie erscheinen wie zwei Paare, die miteinander ihre Wege gehen, und vielleicht wird hier nur der Partner verwechselt, wenn die Mondin und der Sonnerich angerufen werden.

Die Sonne und der Tag

In unseren Breitengraden wurde die Sonne nicht als Ursache zerstörerischer Hitze und Öde erlebt, wie sie in südlicheren Gegenden wahrgenommen wurde, sondern als Spenderin von Wärme nach der Kälte des Winters, als belebende Macht im Sommer und die Verkürzung ihres Partners – des Tages – war Ursache von Trauer und Aktivität. Vorräte für Mensch und Tier mussten gesammelt und geschützt werden, denn der Winter war hier lang und hart.

Zu Jul (dem kürzesten Tag) wurde das Fest des wiederkehrenden Lichtes gefeiert, im Frühjahr (wenn Nacht und Tag gleich lang waren und der Tag länger als die Nacht zu werden begann) gab es die großen Fruchtbarkeitsfeste. Ebenso war die Zeit des längsten Tages eine Festzeit und die Zeit der Tag und Nachtgleiche im Herbst, nach denen die Nacht begann zu siegen, wurde ebenfalls begangen. Es sind Festzeiten, die das menschliche Leben, die Gemeinschaft existenziell betrafen.

Der länger werdende Tag, und die damit stärker und kräftiger werdende Sonne, begannen im Frühjahr den Schnee wegzutauen und die ersten Pflanzen steckten ihre grünen Sprosse aus der Erde. Das Leben erwachte und die Natur begann fruchtbar und somit Mütterlich zu werden. Mutter Natur, die Erdgöttin – nennen wir sie Frigga - hat einen Sohn. Baldur, der Gott des Lichtes und somit des Tages. Dieser war der Schönste und Reinste von allen = aber er musste sterben (so wie der Tag zur Tag- und Nachtgleiche im Herbst „stirbt“) und hinunter in das Reich der Totengöttin fahren. So wie es der warme, helle und schöne „Tag“ alle Jahre im Winter nachvollzieht. Dann geht seine Mutter in Trauer und sie bedeckt sich mit einer großen weisen Decke.

Sonne, Licht und Tag gehören zusammen und sind die Ursache der Früchte von Mutter Erde, der Tagesarbeit (die nur im Lichte möglich ist), der Wärme und Schönheit. Fruchtbarkeit, Soziale Gemeinschaft, Ackerbau und gemeinsame Feste sind Ausdruck weiblicher Macht und Kraft und gehören zur Großen Mutter.

Die Zahl vier (Vier große Sonnenwenden) ist die Zahl der Sonne und des Raumes (vier Himmelsrichtungen)

Der Mond und die Nacht

Der ägyptische Gott der Weisheit und seine griechische Entsprechung, Hermes Trismegistos, ist der Gott des Mondes. Auch der mächtigste Gott im alten Sumer – Sin – ist der männliche Gott des Mondes und ein Gott der Weisheit. Warum Weisheit?

Die Nacht zeigt uns ein wunderbares Sternenmeer, eine riesige Bilderwelt, voller Riesen, Schlangen, Tiere und manch anderes. Sie bewegen sich langsam (die sieben sichtbaren Planetengötter). Aber der Mond bewegt sich schnell, er wandelt sich, stirbt und wird wieder neu geboren. Er sendet sein Licht in die Nacht und erscheint als die Macht, die das große Meer beherrscht, deren Gesetze und Ordnungen kennt – voller Weisheit eben. Die Astrologie (als erste Wissenschaft) entstand nachts, die Schiffe orientierten sich am Sternenhimmel, ebenso wie die Händler in fremden Gegenden. Wissen und Weisheit gehören zur Nacht und deren Partner – dem Mond. Er bringt Ordnung und Sinn in die Vielfalt, er sendet sein Licht in die Finsternis, die verbirgt und unheimlich ist. Der Mond macht „das Verborgene offenbar“, gibt Sicherheit – wenn er voll und mächtig ist. Aber das ist er nicht immer. Er ist Sohn (Neumond), Geliebter (Vollmond) und sterbender Partner (Altmond) des dunklen Aspektes der großen Mutter. Der gehörnte Gott mit seinem mondähnlichem Hirschgeweih als Partner der Großen Mutter, fasst die männlichen Apekte von Macht, Herrschaft, zeitlicher Beschränkung und Abhängigkeit gut zusammen.

Der germanische Gott Heimdall, der Vater der Menschen, der Begründer der 3 Stände, der von neun Müttern geborene Wächter an der Jenseitsbrücke, der mit seinem Mondsichelähnlichem Horn vor Gefahren warnt – ist ein anderer guter Ausdruck dieser männlichen Macht und Aufgabe.

Ebenso der bekannte Bezug zur weiblichen Menstruation = diese ist ja kein Ausdruck von Mütterlichkeit. Solange die Frau menstruirt ist sie empfangsbereit – also bereit für den männlichen Partner. Erst wenn sie das nicht mehr tut – wird sie entweder Mutter, oder ist zur Geburt nicht mehr fähig.

Die Zahl drei (und die Neun) ist die Zahl des Mondes. Drei Tage ist der Mond in seiner Schwarzmondzeit nicht zu sehen. Zieht man diese von den knapp dreißig Nächten eines Zyklusses ab, dann kommt man zu 27 Tagen. Teilt man diese durch die drei Phasen des Neumondes, Vollmondes und Altmondes (zunehmend, voll und abnehmend), dann haben diese jeweils neun Nächte.

Drei und vier ergeben zusammen einmal die sieben (Wochentage) und die zwölf (Abschnitte des Zoadikus und des Erdkreises)

Zusammenfassung

Auch wenn es ungewöhnlich ist, aber sprachlich und auch spirituell ist es möglich von einer weiblichen Sonne und einem männlichen Mond zu sprechen und dabei die männlichen Aspekte des Lichtes und Tages, sowie die weiblichen der Dunkelheit und der Einheit allen Seins auf die jeweilige Tageszeit anzuwenden. Ich persönlich finde es passender, die Aspekte der Fruchtbarkeit, der Emotionen, der Schönheit, der Kunst und der Lebensfreude mit einer weiblichen Sonne und der Großen Mutter zu verbinden und andererseits die Aspekte von Wissenseroberung, von Raumeroberung, von Triebhaftigkeit, von Leben und Sterben, von Macht und Stärke (aber auch Schwäche) mit einem männlichen Mond nd dem Sohn und Geliebten der Großen Mutter.


Schleuder von der Schulter - was hemmend dir erscheint = führe selber dich selbst (Edda)

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#2

Rituale

in Der Mond 12.02.2010 15:12
von skinir (gelöscht)
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Wenn der Mond als Gefährte der Nacht gesehen wird, als eigenständiges Wesen, dass dem Wandel von Geburt, Reifung, Wandel und Tod unterworfen ist, dann beginnt der Zyklus mit dem Schwarzmond und der Neugeburt (oder Auferstehung). Er wird geboren und wächst neun Nächte, kommt während der folgenden neun Nächte in seine aktive Gestaltungsphase, um dann während der letzten neun Nächte des Zyklus zu reifen und zu vollenden, durch Verzicht und Loslassen.

Neumond = beginnt (bei dreißigtägiger Phase) mit der zweiten Nacht nach Schwarzmond oder (bei neunundzwanzigtägiger) in der Nacht nach Schwarzmond (und dauert neun Nächte). Es ist die Phase des Werdens, der Impulse, sowie des Vertrauens in die Kraft und Macht der Großen Mutter (der Nacht), die aus ihrem Sternenmeer den Gott geboren hat (Heimdall, der als ein Mondgott angesehen werden kann, wurde von neun Müttern aus dem Meere geboren). „Hoffnung“ auf den Wert des Neuen, auf den Sinn der Impulse kann ein möglicher seelischer Impuls für diese Phase sein. Die Mutter mit dem Kind (Matronen, Isis, oder Maria) ist ein guter bildlicher Ausdruck

Vollmond = beginnt neun Nächte nach Neumond und ist die Zeit des Gestaltens und der Handlungsfähigkeit. Die Zeit der Potenz (seelisch, geistig und körperlich) und der Eigenständigkeit. Der Mond steht jetzt seiner Mutter „gegenüber“ = er ist anders, er ist hell, er leuchtet hinein in die Dunkelheit der Nacht. Im christlichen Mythos ist es die Zeit zwischen Jordantaufe und dem Einzug in Jerusalem = die Zeit der Lehrtätigkeit, der Wunder und Heilungen (in der Maria keine Bedeutung besitzt) = Das Wort „Glaube“ beinhaltet „vertrauen“ und „sich auf etwas verlassen“ - auf die eigene Kraft und die eigenen Möglichkeiten = und kann als der entsprechende seelische Impuls dieser Phase gesehen werdend. Aus diesem Glauben kann dann die Tat enstehen, welche die inneren Bilder nach draußen (in die Realität) bringt. Der „Gehörnte“, oder auch der „Gekrönte“ - also der König – als eigenständiger, lustvoller und handlungsfähiger Mann, können hier als Bild verwendet werden.

Altmond = hat auch eine Dauer von neun Nächten. Wer sein Ziel erreicht hat kann loslassen, sich damit verbinden. Kann auf ein eigenständiges Sein verzichten und sich dem Partner, oder einer Gemeinschaft hingeben, sich einordnen, seinen Platz einehmen, als wichtiges Mitglied einer größeren Gemeinschaft. Die Zeit der Liebe, wenn dieser Begriff in seiner Bedeutungsvielfalt angenommen wird. Liebe ist die Hingabe an etwas. An einen anderen Partner, an einen Gegenstand, an eine Idee oder auch an eine Gottheit = die Gottesminne der Mönche und Nonnen des Mittelalters. Das Wikingerboot mit seiner Bootsgemeinschaft, eine Ordensgemeinschaft oder die Familie (die „Heilige Familie“) können hier als Bild verwendet werden.

Schwarzmond = besteht aus drei Nächten (wenn der nachfolgende Mond nur neunundzwanzig Nächte hat, dann sind es zwei Nächte) und ist die Phase des Todes, der Wandlung, der Metamorphose, der Umwandlung. Wenn die Pflanze gewachsen ist (Neumond), eine wunderschöne Blüte hervorbrachte (Vollmond), sich eine Frucht bildete (Altmond), fällt der Same (dieser Frucht) in die Erde und stirbt. Aber er trägt all das in sich, was ihm vorangegangen und es wird sich zeigen, ob die Essenz lebensfähig ist. „Mut“ als Ausdruck seelischer Kraft und Durchhaltevermögens wäre der entsprechende seelische Ausdruck und Wodan kopfüber am Weltenbaum hängend, oder Christus am Kreuz sind die passenden Bilder dazu. Aber auch eine Pieta (Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß).

Rituale

Neumondphase = das Anzünden von Kerzen, Formulieren von Wünschen und Zielen, Bittgebete an die Große Mutter (in welcher Gestalt auch immer.) alle Rituale die mit Hoffnung zu tun haben

Vollmondphase = Kampfkünste aller Art, Selbsterfahrungsrituale, die das Vertrauen in die eigenen Kräfte stärkt, Yoga, schamanische Reisen

Altmondphase = tantrische Praktiken, Volkstanz, Handlungen die aus Mitgefühl heraus entsehen.

Schwarzmondphase = Einweihungen, Zen, Wandlungsrituale.


Schleuder von der Schulter - was hemmend dir erscheint = führe selber dich selbst (Edda)

zuletzt bearbeitet 12.02.2010 15:13 | nach oben springen

#3

RE: Rituale

in Der Mond 12.02.2010 15:15
von skinir (gelöscht)
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Das ist schon etwas komplex - aber da dass ein grundlegender Pfeiler in meinem Denken ist - wollte ich diesen mal ausführlich darstellen.
Wenn Fragen sind = gerne
skinir


Schleuder von der Schulter - was hemmend dir erscheint = führe selber dich selbst (Edda)

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#4

RE: Rituale

in Der Mond 12.02.2010 17:22
von Fairytale (gelöscht)
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Hallo Skinir, also ich finde das hast du jettz sehr gut und umfassend erklärt. Und im großen und ganzen kann ich für mich persönlich dem schon folgen. (Auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle eine etwas andere Sicht habe)
Darf ich trotzdem noch fragen, was sind für Dich <Wandlungsrituale>?
LG Fairytale


Jeder Wesensstern hat sein eigenes besonderes Licht
http://kosmos2009.jimdo.com/

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#5

RE: Rituale

in Der Mond 13.02.2010 06:50
von skinir (gelöscht)
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Jugendweihe, Konfirmation, Lebensübergänge im allgemeinen und ebenso bei seelischen Übergängen, Reifeprozessen. Das "Stirb und Werde" des Samenkorns
skinir


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#6

RE: Rituale

in Der Mond 13.02.2010 13:02
von Fairytale (gelöscht)
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Danke für deine Erklärung. So sehe ich Wandlungsprozesse auch. <<Stirb und werde>> das passt sehr gut ! LG Fairytale


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