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Weihnachtsgeschichte

in Feiertage 17.12.2007 23:14
von Lichtfee
Moderatorin
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Weihnachtsmorgen


Es war soweit! Julika streckte ihre dick eingepackten Füße aus dem Bett und fröstelte! Hui, war das kalt heute! Sie kniete sich in ihr Bett und blickte verschlafen aus dem Fenster in den noch dunklen Morgen. Draußen glitzerte der Schnee im Glanz des Vollmonds und Julikas Herz begann vor Aufregung zu hüpfen. Weiße Weihnacht!<img src='http://www.smilies.4-user.de/include/Wet...lie_wet_008.gif'>

Ihr Atem bildete Eisblumen auf der kalten Scheibe des Fensters und Julika jauchzte vor Ent-zücken. Schnell rutschte sie aus dem Bett und zog ihre zwei dicksten Pullover über ihr Nachtgewand und schlüpfte in die gefütterte Hose, die Tante Rosi ihr letztes Weihnachten geschenkt hatte. Leider war sie seitdem ein ganzes Stück gewachsen, so daß zwischen ih-ren dicken Stiefeln und dem Saum der Hose ein kleines Stückchen nackte Haut zu sehen war. Doch das kümmerte Julika nicht im geringsten. Schnell zog sie sich noch den Lammfellmantel über, den ihr die Mutter extra gekauft hatte, kramte die dicken Handschuhe aus den Taschen und setzte sich im Hinausgehen noch die Wollmütze ihres Bruders auf.

Alles in allem gab sie so eine sehr lustige Gestalt ab, doch ihr war warm und das war die Hauptsache. Sie rannte hinaus in den Schnee und freute sich ihres Lebens! Drinnen im Haus konnte sie leise Stimmen hören und das Rumpeln verkündete ihr, daß nun auch ihre Eltern aufgestanden waren. Schnell begann sie, den Schnee zu einer großen Kugel zusammenzurollen, und als die erste fertig war, wurde eine zweite und dritte erstellt. Mittlerweile war das Licht in der Küche angegangen und Julika konnte hören, wie ihre Mutter das Frühstück vorbereitete. Schnell setzte sie die Kugeln aufeinander, die größte zu unterst, die kleinste zu oberst. Jetzt konnte Julika hören, daß auch ihre zwei Brüder, Jonas und Niklas, wach wur-den. Das hieß beeilen, wollte sie ihr Werk doch ganz alleine fertig stellen. Sie rannte zurück zum Haus, zu dem Blumentopf neben dem Küchenfenster. Dort hatte sie alles wichtige ver-steckt: eine lange Mohrrübe als Nase für den kalten Freund, zwei Knöpfe für die Augen, fünf kleine Stückchen Kohle, die dem Vater beim Anzünden des Kamins heruntergefallen waren, sie sollten des Mund bilden, die Zipfelmütze von Großvater, die Julika zusammen mit der Pfeife extra dafür von ihm bekommen hatte und natürlich den Schal und die Kieselsteine, die sie brauchte, um ihn anzuziehen. Da würden die Eltern aber schauen! So ein toller Schneemann und Julika hatte ihn ganz allein gemacht!

Drinnen hörte sie, wie die Mutter die Brüder zum Frühstück rief, und bei dem Gedanken an eine dampfende Tasse heißen Kakaos wurde Julika bewußt, daß sie schon seit über einer Stunde im Schnee rumtollte. Ihr Magen knurrte, als sie sich die warmen, weichen, nach Milch und Honig duftenden Brötchen vorstellte, die ihre Mutter nur zu besonderen Anlässen buk. Leise öffnete sie die Haustür, streifte Mantel, Mütze und Stiefel fast gleichzeitig ab und hüpfte in die Küche.

Oh, war das ein Anblick! Jonas und Niklas saßen im Nachtgewand und dicken Plüschhaus-schuhen auf ihren Stühlen, der Vater hatte seinen Morgenrock übergezogen und guckte noch ganz verschlafen, und die Mutter stand am Herd und rührte den heißen Kakao. Der Tisch, nein, die ganze Küche war festlich geschmückt mit Tannenreisig und Weihnachtsster-nen und kleinen Putten die selig von imaginären Wolken lächelten. Die Küche leuchtete im Glanz der Kerzen, die überall aufgestellt waren. Mutter hatte sogar die silbernen Leuchter auf den Tisch gestellt! Die gute Tischdecke war aufgelegt, auf dem Tisch waren zwischen dem Tannenreisig Walnüsse und Haselnüsse und Mandarinen und bunte Lebkuchen verteilt, und in der schönen Kristallschüssel, die in der Mitte des Tisches zwischen den silbernen Leuchtern stand, lagen Pfeffernüsse, Zimtsterne und Hildaplätzchen.

Julika setzte sich auf ihren Platz, mit roter Nase und noch ganz außer Atem vom Schneemannbauen. Gleich nach dem Frühstück würde sie allen zeigen, was sie so früh schon draußen für alle gebaut hatte. Doch jetzt wollte sie zuerst einmal das köstliche Frühstück genießen, das ihre Mutter mit funkelnden Augen servierte: heiße Schokolade für Julika und die Brüder, duftender Kaffee für die Mutter und den Vater. Warme, frische Brötchen mit Butter und Honig oder der leckeren selbstgemachten Brombeermarmelade. Ein Kanten von dem guten Schinken, den Vater vom Bauern Johann bekommen hatte, frisches, dunkles Brot, natürlich die guten Plätzchen und für jeden ein Ei von der Henne Berta.


Da wurde geschlemmt! Und ganz still war es, weil keiner es wagte, den Morgen durch Worte zu stören. Doch wie es immer war, fing der kleine Niklas, der noch nicht begreifen konnte, was für ein besonderer Morgen es war, zu plappern an und als somit der Bann gebrochen war, fingen alle an zu erzählen. Vom letzen Jahr und den Jahren davor und wie schön der Schnee in diesem Jahr war und wer alles geschrieben hatte und daß es in diesem Jahr im Dorf sogar ein echtes Christkind gegeben hatte, denn die Frau vom Apotheker Lindberg hatte in der Christnacht ihr Kind bekommen.

Als dann alle vom Erzählen ganz rote Backen hatten und Jonas vor Spannung kaum noch sitzen konnte, erklärte der Vater das Frühstück für beendet und stand auf, um ins Wohnzim-mer zu gehen, wo der Weihnachtsmann ganz sicher über Nacht die Geschenke für alle hingelegt hatte. Julika half der Mutter noch beim Abräumen des Geschirrs und Jonas löschte die Kerzen. Und dann hörten sie auch schon, wie die Klingel im Wohnzimmer die Besche-rung ankündigte. Die Mutter wischte sich noch eilig die Hände an der Schürze ab, nahm Niklas auf den Arm und folgten dem Vater in die Wohnstube.

Dieser hatte den Kamin angezündet und die Kerzen am Baum erhellten warm den Raum. Julika konnte vor Spannung kaum noch schlucken. Wo war ihr Geschenk? Hatte der Weihnachtsmann ihren Brief bekommen, in dem sie beschrieb, wie sehr sie den neuen Schlitten und die neue Hose brauchte? Und war sie auch artig genug gewesen? In der Schule hatte sie immer gut aufgepaßt und hatte sogar ein Lob im Schönschreibwettbewerb erhalten. Die Eltern waren sehr zufrieden gewesen.

Julika sah sich um: ihr Vater hielt gerade die Pfeife hoch, die Jonas ihm geschnitzt hatte, natürlich mit Großvaters Hilfe, und die Mutter zeigte dem kleinen Niklas seine Holzlokomotive, die der Vater erst am Abend vorher noch rot angemalt hatte.
Julika ging zum Lehnstuhl, unter dem sie die Kekse und die Milch für den Weihnachtsmann versteckt hatte und siehe da, der Weihnachtsmann hatte es gefunden und ihr zum Dank einen Schokoweihnachtsmann hingelegt. Bilder Upload

Julika hatte auch die Geschenke für die Eltern dort versteckt: eine Spange, die das Haar der Mutter zieren sollte und ein Päckchen Tabak für den Vater. Und für die Brüder hatte sie ein Schnitzmesser, denn das von Jonas war schon ziemlich alt und zwei Tiere für den Holzzoo von Niklas. Eine Kuh und ein Schwein.

Julika holte die Geschenke, allesamt sorgfältig in rotes Seidenpapier eingeschlagen, hervor und überreichte sie an ihre Familie. Das war eine Freude zu sehen, wie sie die Sachen auspackten und dabei "ah" und "oh" riefen! Julika war so glücklich darüber zu sehen, wie die Ge-schenke den anderen gefielen, daß sie fast vergaß, selbst nach ihren Geschenken zu sehen. Bilder Upload

Niklas hatte ihr ein Bild gemalt, einen Schneemann, Jonas hatte ihr eine Tüte süßer Lakritze und zwei Lutscher gekauft, und die Mutter überreichte Julika ein Päckchen mit einer großen roten Schleife, in dem eine neue gefütterte Hose steckte. Julika freute sich riesig und dennoch war sie etwas betrübt. Kein Schlitten. Dabei hatte sie sich doch so sehr einen ge-wünscht. Vielleicht hatte der Weihnachtsmann ja nicht soviel tragen können oder vielleicht hatte der Schlitten nicht durch den Kamin gepaßt.


Jetzt wollte sie der Familie aber erst einmal den Schneemann zeigen, der vor der Tür auf alle wartete, mit Rübennase und Kieselsteinknöpfen und einer Zipfelmütze auf dem runden, kahlen Kopf.

Sie nahm die Eltern an die Hand und führte sie nach draußen, so wie sie waren, im Nachtgewand mit Morgenrock.


Der Vater lachte vor Freude, als er den weißen, runden Mann sah, der ihn mit einem Lächeln aus Kohlestückchen begrüßte. Die Mutter klatschte in die Hände und beglückwünschte Julika zu so einem Meisterwerk. Und dann sah Julika etwas wunderschönes: Hinter dem Schneemann, kaum zu sehen, stand ein niegelnagelneuer Schlitten, mit echten Kufen und einer rot-weißen Schnur, um ihn die Hügel hinauf zu ziehen. D

ie Eltern blickten sich mit einem Lächeln an und der Vater blinzelte der Mutter zu, als Julika vor Begeisterung jauchzend ihre festen Stiefel und den Mantel überzog und in den Schnee hinaus zu ihrem neuen Schlitten eilte.

Das war ein Weihnachten! Und während Julika ihren kleinen Bruder Niklas auf dem Schlitten durch den Hof zog und Jonas eine Schneefrau für den Schneemann baute, verteilte der Vater das Brot an die Tiere im Wald, und die Mutter fütterte die Vögel und alles war perfekt und wunderschön.


Ein Tropfen Liebe ist mehr - als ein Ozean voll mit Verstand
zuletzt bearbeitet 06.01.2008 15:38 | nach oben springen

#2

Weihnachtsgeschichte

in Feiertage 17.12.2007 23:20
von Lichtfee
Moderatorin
| 1.767 Beiträge
Der kleine Schutzengel
von Sieglinde Breitschwerdt


Sehnsüchtig sah Emanuel zu, wie wieder viele Engel die Himmelsleiter hinabstiegen. Sie beeilten sich, wollten rechtzeitig an Ort und Stelle sein, um die Neugeborenen zu beschützen.
"Ach, was würde ich dafür geben, wenn ich auch ein Schutzengel sein dürfte", seufzte er. "Aber ich habe ja noch nicht einmal Flügel!"
"Emanuel, komm zu mir!" rief Erzengel Gabriel. Er nahm den Kleinen an die Hand und führte ihn zur himmlischen Kleiderkammer. Weiße Gewänder, Flügelpaare und Heiligenscheine wurden dort aufbewahrt.
Gabriel suchte für ihn ein passendes Gewand, Flügelchen und einen Heiligenschein aus. Er half ihm beim Anziehen, steckte die Flügelchen fest und sagte:
"So mein Kleiner, jetzt bist du ein Schutzengel!"
Emanuel hüpfte vor lauter Freude im Kreis und fragte aufgeregt: "Wohin schickst du mich?"
Gabriel zeigte in die Ferne. Am Himmel leuchtete ein wunderschöner Stern mit einem langen silbernen Schweif: "Folge immer diesem Stern, solange, bis er stehen bleibt. Dort wird heute Nacht ein neuer, großer König geboren! Er wird für alle Menschen der König des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung sein!"
Ein König, dachte Emanuel und ihm wurde ganz bange: "Braucht ein großer König nicht auch einen großen Schutzengel?"
Der Erzengel lächelte und drückte ihm sanft den Heiligenschein aufs Haupt: "Nein, nein! Ein kleiner König und ein kleiner Engel passen gut zusammen!"
Wenig später kletterte Emanuel die Himmelsleiter hinab und folgte immer dem großen Stern.
Ich werde auf meinen König gut aufpassen, dachte er. Wehe, wenn ihm einer etwas tut, dann verhau' ich ... Erschrocken hielt er inne. Ein richtiger Engel durfte so etwas nicht einmal denken.
Hin und wieder schaute er zum Himmel. Er bemerkte, daß der Stern allmählich langsamer wurde. Erstaunt blickte er sich um. Nirgends sah er einen Palast, oder wenigstens ein großes vornehmes Haus?
Er kam durch ein kleines Dorf. Die meisten Häuser waren alt und verfallen, in denen nur arme Leute wohnten.
Neben einem Gasthof stand ein Stall; über ihm blieb der Stern stehen.
Geduldig wartete er darauf, daß der Stern weiterwandern würde. Aber nichts geschah.
Oh mein Gott, durchfuhr es ihn, ich bin dem falschen Stern gefolgt! Vielleicht habe ich mich verlaufen? Ratlos setzte er sich nieder.
Da fiel ihm der kleine König ein, den er beschützen sollte.
Emanuel war so traurig, dass er bitterlich weinte.
Plötzlich fühlte er etwas Weiches an seinem Knie. Ein Schaf rieb sein Köpfchen daran. "Warum bist du so traurig, kleiner Engel?" fragte es.
"Ich habe mich verlaufen!" schluchzte er.
"Verlaufen?" blökte das Schaf verwundert.
Er nickte.
"Irgendwo wird ein neuer König geboren, und nun hat er keinen Schutzengel, weil ich den Palast nicht finden kann!"
Emanuel nahm den Zipfel seines Gewands und schneuzte sich.
"Im Stall wird auch ein Kind geboren! Aber das sind sehr arme Leute!" mähte das Schaf. "Sie kamen mit einem Esel aus einer fernen Stadt!"
Emanuel sah sich um. Er entdeckte auch keinen anderen Engel.
Er streichelte dem Schaf über das Köpfchen und murmelte: "Das arme Kind. Kein Schutzengelchen weit und breit!"
"Dann beschütze doch du das Kind!" schlug das Schaf vor. "Arme Leute haben es nicht leicht im Leben!"
Er nickte. Das Schaf hatte recht. Der kleine Engel stand auf und ging in den Stall. Ein Ochse und ein Esel lagen im Stroh.
Ein älterer Mann stand neben seiner junge Frau, die ihr Kind in die Krippe legte. Emanuel trat näher und sah sich das Neugeborene genauer an. Es war ein hübscher kleiner Junge.
Plötzlich hörte er Räderknirschen, Hufgetrampel und Gewieher; dem folgten Fanfarenstöße und Herolde riefen: "Macht Platz für die Könige!"
Prunkvoll geschmückte Pferde und Kamele hielten vor dem Stall.
Drei Könige in kostbare Gewänder gehüllt, mit goldenen Kronen auf ihren Häuptern, betraten den ärmlichen Raum. Sie beglückwünschten die Eltern zur Geburt ihres Kindes und überreichten Gold, Weihrauch und Myrrhe. Es waren Geschenke für das Neugeborene.
Sie knieten vor der Krippe nieder und jeder König küßte dem kleinen Jungen das Händchen.
Wenig später kamen Hirten. Als sie das Kind in der Krippe sahen, gaben sie ihm alles, was sie hatten: Brot und Käse, Früchte und Wein, dann knieten auch sie nieder.
Ehrfurchtsvoll und staunend hatte Emanuel alles beobachtet.
Sein kleiner Schützling musste schon etwas Besonderes sein, wenn Könige wie Hirten gleichermaßen vor ihm niederknieten.
Er beugte sich etwas vor - und das Kind lächelte ihn an.
Ich habe mich doch nicht verlaufen, dachte der kleine Schutzengel überglücklich. Ich bin auch nicht dem falschen Stern gefolgt. Er ist der neue große König, der König des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, und ich... ich ... ich darf ihn beschützen!


Ein Tropfen Liebe ist mehr - als ein Ozean voll mit Verstand
zuletzt bearbeitet 06.01.2008 15:37 | nach oben springen

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